Das Leben ist immer riskant

Um das Potenzial der Fischzucht auszuschöpfen, bedarf es einer komplexen Vorgehensweise. Es verlangt technische Fertigkeiten, Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse der Fische und die Bereitschaft, zu investieren und Risiken einzugehen. Man muss vielleicht auch Wege finden, die Verbraucher neugierig zu machen, damit sie die Fischerzeugnisse probieren, mehr darüber erfahren und sie letztendlich auch kaufen. Der niederländische Aalzüchter Paul Meulendijks setzt auf diese verschiedenen Parameter.

Paul Meulendijks, Eigentümer der Aalzucht Rijpelaal.

„Ich bin stolz auf meinen Betrieb und meine Erzeugnisse. Erfahrung, Transparenz und Qualität stehen dabei im Mittelpunkt“, sagt Paul Meulendijks, 36 Jahre alt, verheiratet, Vater von 3 Jungen, Besitzer der Aalzucht Rijpelaal im Südosten der Niederlande.

Ich mache es auf meine Art

In den 1980er Jahren betrieb der Gründer von Rijpelaal, Pauls Vater Johan Meulendijks, einen landwirtschaftlichen Mischbetrieb mit Schweinen und Kühen. 1988 beschloss er, seinen Betrieb um die Aalzucht zu erweitern, und schon bald studierte Meulendijks Fischzucht an der landwirtschaftlichen Aufbauschule in Helmond. In den ersten Jahren seiner Aalzucht hatte er mit allerlei technischen Problemen zu kämpfen. Im Laufe der Jahre verbesserte Johan Meulendijks sein System der Aalzucht immer mehr. 1997 beschloss Johan Meulendijks, sich ausschließlich auf die Fischzucht zu konzentrieren, verkaufte seine Ländereien und investierte auf dem alten Hofgelände in den Bau einer neuen Aalzucht, einer Verarbeitungsanlage und eines Hofladens.

Paul Meulendijks stieg 2006 in die Aalzucht ein und übernahm Rijpelaal im Jahr 2019. Schon von klein auf half er im Unternehmen mit. „Ich bin damit aufgewachsen. Ich habe viel von meinem Vater gelernt, wir machen viele Dinge auf die gleiche Weise. Die Aalzucht ist auch meine Leidenschaft“, erzählt er. „Wir Aalzüchter haben zwar einige gemeinsame Prinzipien, aber jeder hat auch seine eigene Vorstellung davon, wie sein System am besten funktioniert. Wir leben nach dem Motto ‚Versuche nicht, mir beizubringen, was für mich am besten ist‘ – ich mache es auf meine Art!“

Wird der Aal in der freien Natur überleben?

„Der Aal wird in freier Wildbahn nicht überleben, wenn wir in diesem Bereich alle Aktivitäten einstellen“, sagt Paul Meulendijks. „Ich bin davon überzeugt, dass eine breite Palette von Initiativen erforderlich ist, um den Lebenszyklus des Aals zu schließen. Die Aale schaffen es nicht mehr allein. Die Wiederaufstockung in den Binnengewässern und die Unterstützung der Aale bei der Abwanderung trotz der bestehenden Hindernisse sind gefordert. In diesem Zusammenhang ist die Aalzucht unerlässlich!“

10-15 % der Aale in Rijpelaal - im Durchschnitt etwa 400.000 Aaljungfische pro Jahr – werden für Aalbesatzprojekte verkauft, die von verschiedenen Interessengruppen unterstützt werden.

Ausweitung der Produktionskapazität

„Wenn ich 45 bin, möchte ich nicht zurückschauen und denken müssen ‚Warum habe ich nicht gehandelt oder investiert ...?‘ “, sagt Paul. Durch seine Ausbildung im internationalen Handel und Großhandel weiß Paul, dass der Aal umso mehr an Wert gewinnt, je mehr vor Ort verarbeitet werden kann und je mehr Menschen ihren Lebensunterhalt mit der Arbeit auf dem Hof verdienen können. Inzwischen werden 80 % des Aalbestands von Rijpelaal vorort verarbeitet.

Um die Kapazität der Verarbeitungsanlage voll ausschöpfen zu können, hat Paul kürzlich beschlossen, die Kapazität der Aalproduktion zu erweitern und in eine weitere Aalzucht zu investieren, die nur 30 Minuten vom Standort Rijpelaal entfernt ist. Ein ehemaliger Zanderzuchtbetrieb wird von Grund auf neu angelegt, wobei alles, was sich für die Aalzucht eignet, wiederverwendet wird. Der neue Betrieb wurde im Januar 2024 mit Glasaalen besetzt. Hier werden die Aale gemästet und anschließend auf der Rijpelaalanlage geschlachtet und verarbeitet.

Um beide Aalzucht-Standorte zu betreiben werden drei weitere Mitarbeiter benötigt. Wie Paul unterstreicht, hat dies den zusätzlichen Vorteil, dass es dann mehr Menschen gibt, die sich für das Wohlergehen der Fische verantwortlich fühlen und sich um Notfälle kümmern können.

Verkaufsfördernde Initiativen

„Je mehr wir direkt an die Verbraucher verkaufen können, desto besser“, sagt Paul. „Mein Vater hat mir beigebracht: ‚Überlege dir genau, was du erzielen willst und fang an!‘, aber er hat mich meinen eigenen Weg gehen lassen. Wir haben eine gute Mischung, um die Verbraucher zu erreichen. Das kostet Geld und Mühe, aber die gute Resonanz der Kunden zeigt, dass es Raum für unsere Art von Initiativen gibt.“

„Wir haben unser Angebot im Hofladen erweitert, wir haben einen Imbiss und eine Terrasse, wo die Leute ihren Aalimbiss essen und einen Kaffee trinken können. Wir verkaufen online über unseren Webshop – das ist ein einfacher Weg, um die Verbraucher zu bedienen, vor allem die jüngeren. Wir sind in den sozialen Medien präsent – meine Schwester kümmert sich darum, und es ist eine gute Möglichkeit, die Leute zu erreichen.“

„Rijpelaal sponsert einen Fußballverein, um für die Aalzucht und unsere Produkte zu werben – wer sich im niederländischen Fernsehen die Höhepunkte der Fußballspiele ansieht, sieht die Banner am Spielfeldrand, die über unseren Webshop informieren. Dadurch sind die Umsätze in unserem Webshop erheblich angestiegen, von 80 Besuchen pro Tag auf beispielsweise 2.000 an einem Spieltag und 200 an einem ruhigen Tag“.

Transparenz im großen Stil

„Wir wollen unseren Kunden und Besuchern so viel Transparenz wie möglich bieten und sie an unserem Unternehmen teilhaben lassen“, erzählt Paul Meulendijks. Und die Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit ist gewährleistet! Am ersten Sonntag im Mai 2023 folgten mehr als 5.000 Menschen aus allen Teilen der Niederlande dieser Einladung zu einem Tag der offenen Tür in der Aalzucht und Räucherei Rijpelaal.

Paul Meulendijks und sein Team veranstalten die Offene Fischzucht seit dem Jahr 2000 alle 3-4 Jahre. Im Vorfeld dieser Veranstaltung wird viel Marketing betrieben: Mund-zu-Mund-Propaganda, Flugblätter, Online-Kampagnen. Der Hof beschäftigt normalerweise 33 Personen – zwei im Betrieb, die anderen arbeiten in der Verarbeitung, im Fahrdienst, im Hofladen und an den Wochenenden als Aushilfen. An diesem besonderen Tag waren es 65 Personen, die gut vorbereitet waren, um die Besucher zu begrüßen, alle Fragen zu beantworten und den Tag zu einem angenehmen Erlebnis zu machen, mit Schatzsuche und Geschenktüten für die Kinder und Führungen, bei denen man etwas über die Natur des Aals, die Aalzucht und die Verarbeitung erfährt und Aalgerichte probieren kann.

Ein riskantes Geschäft

„Ich bin stolz auf meine schmackhaften Aalprodukte, meine Aale werden nachhaltig, tierfreundlich und artgerecht gezüchtet. Ich bin mir bewusst, dass einige meiner Initiativen für den Verkauf von Aal unkonventionell und riskant erscheinen mögen, aber das ist meine Art zu leben. Ich bin Aalzüchter mit Leib und Seele, und ich gehe Risiken ein. Das Leben ist immer ein Risiko.“